Bioabfall als Rohstoff nutzen

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Nachwachsende Rohstoffe sind für die Industrie ein Schlüssel zur Verringerung der Abhängigkeit von erdölbasierten Materialien. Biogene Abfälle fallen in großen Mengen an und könnten als hochwertige Materialien weiterer Nutzung zugeführt werden. Forscher der Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS des Würzburger Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC wollen neue Verfahren dafür entwickeln. Über dieses Thema sowie über das Zertifizierungssystem »s:Lim – say: Less is more!« und die Deutsche Phosphor-Plattform DPP informiert die Projektgruppe IWKS auf dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft auf der Internationalen Grünen Woche vom 16. – 25. Januar 2015 in Halle 5.2, Stand 108.

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Lebensmittelabfälle - eine wertvolle Rohstoffquelle

Wie lassen sich nachwachsende Rohstoffe als Ersatz fossiler Rohstoffe nutzen, ohne dabei in Konkurrenz um wertvolle Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion zu treten? Diese Schlüsselfrage greifen die Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe IWKS in Alzenau auf. Die Idee: Biomaterialien, die ohnehin schon da sind, aber nicht mehr gebraucht werden – also Abfall – als Rohstoffe nutzen.

Die Projektgruppe IWKS befasst sich im Geschäftsfeld »Biowerkstoffe« mit der Weiterverarbeitung von solchen pflanzlichen Reststoffen. Sie stammen als Abfallprodukte aus der Lebensmittel- oder der pharmazeutischen Industrie und bilden die Grundlage für neue Produkte und Anwendungen. Beispielsweise können sie als Ausgangsmaterial für Barriereschichten genutzt werden, wie sie u. a. als Ummantelung zum Schutz gegen eine unkontrollierte Nährstoffauswaschung bei Düngergranulaten eingesetzt werden.

Auch die Verpackung von Lebensmitteln kann durch den Einsatz von reststoffbasierten Barriereschichten optimiert werden. Sauerstoff- und Wasserdampfdurchlässigkeit lassen sich durch das organische Material minimieren. Das trägt zur Verlängerung der Haltbarkeit bei. Des Weiteren werden die pflanzlichen Rohstoffe genutzt, um naturfaserverstärkte Kunststoffe herzustellen. Als Haftvermittler eingesetzt können sie die mechanischen Eigenschaften des Kunststoffes verbessern.

Pflanzliche Reststoffe, die im Überfluss vorhanden sind, lassen sich so sinnvoll verwerten und tragen zur Schonung von lebensnotwendigen Ressourcen bei. Mittels innovativer Verfahren kann aus bisherigen Abfallprodukten eine zukunftsweisende Wertschöpfung gesichert werden. Industriell umgesetzt bietet dies einen enormen Wettbewerbsvorteil, denn neben der Senkung von Rohstoffkosten wird auch ein großer Schritt in Richtung einer nachhaltigen Produktion gemacht.


Zertifizierung mit »s:Lim – say: Less is More«

Ökologische Unternehmensführung und effizienter Ressourcengebrauch können eine enorme Einsparung von Rohstoffen und Energie erzielen. Wertvolle Ressourcen sollen kosteneffizient wieder verfügbar und nutzbar gemacht werden. Die Fraunhofer-Projektgruppe IWKS zertifiziert Produkte sowie Dienstleistungsangebote im Hinblick auf abfallarmes Produktions- und Konsumverhalten nach dem Motto »s:Lim – say: Less is more!«. Ziel ist es, Einsparung von Energie und knappen Ressourcen wie Phosphor zu erreichen. Mit einem ganzheitlichen Ansatz werden alle Produktionsschritte hinsichtlich Ökonomie und Ökologie analysiert und optimiert. Innovative Technologien und Methoden, um Abfälle zu vermeiden oder zu recyceln, werden entwickelt, Wiederverwertungsmöglichkeiten für (Produktions-)Abfälle oder Abfallinhaltsstoffe aufgezeigt und darüber hinaus Lösungen zur Verringerung von Emissionen angeboten. Der Einsatz von kostenintensiven und umweltschädlichen Rohstoffen kann minimiert werden, indem zusammen mit Industrieunternehmen Substitute entwickelt und Prozesse optimiert werden.

 

Nachhaltige Phosphornutzung

Das Element Phosphor ist so essenziell für alles Leben wie Sonne und Wasser. Rund 90 Prozent des abgebauten Phosphats finden als Düngemittel Verwendung und stellen somit unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln sicher. Aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums werden in absehbarer Zeit zwei Milliarden Menschen mehr auf Phosphor angewiesen sein. Ganz gleich, welche Vorkommen sich noch erschließen lassen und wie lange die Vorräte reichen: Phosphor ist eine endliche Ressource, deren Förderung immer energie- und kostenintensiver wird. Die zukünftig erschließbaren Lagerstätten sind zudem stärker mit Schwermetallen wie Cadmium belastet. Mit der Ausbringung der Dünger landen diese auf den Ackerflächen. Hinzu kommt, dass rund 75 Prozent der Phosphorreserven in geopolitisch instabilen Gebieten liegen, sodass Handelseinschränkungen rasch zu Versorgungsengpässen führen können. Ausreichend Gründe also für eine nachhaltige Phosphornutzung.

Die Deutsche Phosphor-Plattform DPP ist das nationale Forum für eine nachhaltige Phosphornutzung. Sie bringt die Akteure aus Industrie, Wissenschaft und Politik sowie der Landwirtschaft und den Kommunen zusammen und fördert den Austausch sowie das Verständnis zwischen den Fachgruppen. Auf der Internationalen Grünen Woche haben Interessenten die Gelegenheit sich über die Aktivitäten der DPP und die Möglichkeiten im Bereich Phosphorrückgewinnung und Phosphornutzung zu informieren. Ein besonderes Highlight bietet der 21. Januar 2015. An diesem Tag wird im niederländischen Pavillon, veranstaltet durch die Botschaft des Königreichs der Niederlande und mit Unterstützung der nationalen Phosphor-Plattformen aus den Niederlanden, Flandern und Deutschland ein Recyclingphosphat-Marketing-Event stattfinden. Hier bietet sich die Gelegenheit mit einer Vielzahl auch europäisch aktiver Akteure in Kontakt zu treten.

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